Jeder Münzenbesitzer gelangt irgendwann zu dem Punkt, an dem sich die Frage aufdrängt: Was kann man gegen die Oxidationsprozesse ausrichten, welche die Münzen mit einer matten Oberfläche versehen und dadurch unansehlich werden lassen?

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Da ein Vakuumieren der Edelmetallmünzen eine Methode ist, die eine Konservierung über einen längeren Zeitraum ermöglichen kann, lohnt sich ein genauer Blick auf diese Konservierungsmethode. Die schlechte Nachricht jedoch gleich vorweg: Ein Aufhalten der chemischen Reaktion ist nicht möglich. Mit dem Erzeugen eines Vakuums können die Prozesse zwar verlangsamt werden; wie jedoch eine vakuumierte Münze nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aussieht, darüber kann nur spekuliert werden.

Das Vakuumieren von Münzen kann sich in vielen Fällen lohnen. Doch nicht jeder Münzsammler wird sich mit dieser Methode anfreunden können. Es handelt sich allerdings – auch aufgrund der mittlerweile sehr preiswerten Vakuumiergeräte – um eine günstige und einfache Methode. Zuerst sollten wir jedoch klären, welche der Edelmetalle zu Patinabildung und Oxidation neigen und welche Ursache dafür verantwortlich ist.


Münzmetalle

Gold

Da reine Goldmünzen nicht anlaufen und auch Jahrhunderte an der Luft überstehen können, sollte ein Vakuumieren von Goldmünzen nicht nötig sein.

Es gab jedoch vor einigen Jahren verschiedene Probleme mit manchen Goldmünzen aus Feingold (100 Euro Goldmünzen der BRD, Goldtaler aus Russland), die rötliche Flecken auf der Oberfläche aufwiesen. Diese sehr wahrscheinlich bei der Herstellung der Ronden entstandenen Verunreinigungen verursachten die Fleckenbildung. Die Verunreinigungen bestanden aus Silber bzw. Kupfer. Es hat also nicht das Gold reagiert, sondern das in Spuren enthaltene Silber oder Kupfer.

Silber

Wie bei Silberbesteck oder -schmuck tritt auch bei Silbermünzen nach einiger Zeit der Effekt auf, dass sie anlaufen und ihren schönen Silberglanz verlieren. Die Oberflächen der geliebten Münzen werden matt und mit der Zeit immer dunkler. Es entstehen dabei gelbliche, bräunliche oder schwarze Flecken – Anzeichen der Patinabildung.

Platin und Palladium

Die im Vergleich zu Gold und Silber noch jungen Münzmetalle Platin und Palladium gelten als anlaufbeständig. Die beiden Edelmetalle sind artverwandt und härter als Gold. Ein Vakuumieren von Platin- und Palladiummünzen ist aufgrund dieser Eigenschaften in der Regel nicht notwendig.

Historische Münzmetalle

Gerade bei historischen Münzen, die einen Sammlerwert besitzen, gilt es vorsichtig zu sein. Zum einen bestehen diese Münzen zu einem bestimmten Teil aus unedlen Metallen wie Kupfer und Nickel, teilweise auch aus Bronze, Zink und weiteren Metallen, andererseits weisen viele historische Münzen einen wesentlich niedrigeren Edelmetall-Anteil als moderne Münzen auf.

In diesen Fällen kann eine Konservierung mit Hilfe eines geeigneten Mittels wie beispielsweise dem weiter unten beschriebenen Renaissance-Wachs erfolgen. Aber bedenken Sie, dass es durchaus auch historische Sammlermünzen gibt, bei denen gerade eine schöne Patina den Münzen Authentizität und einen unvergleichlichen Charme verleiht. Diese Münzen erzielen oftmals gerade dadurch einen hohen Sammlerwert und können bei Sammlern sehr beliebt sein. Mittels einer Konservierung läßt sich jedoch ein Fortschreiten der Prozesse zumindest verlangsamen.

Bei historischen Münzen sind viele Punkte zu bedenken, bevor die wertvollen Stücke in irgendeiner Weise behandelt werden. Die vielen unterschiedlichen Materialien erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Maßnahme für eine bestimmte Münze hilfreich sein kann, informieren Sie sich vorher bei erfahrenen Münzsammlern oder professionellen Münz-Restauratoren.

Beispiel Kupfermünzen: Kupfermünzen können in einem Bad mit einer dünnen Seifenlauge gereinigt und zur Konservierung vorsichtig mit Paraffin betupft werden. Dies sollte bei Kupfermünzen jedoch nur unter allergrößter Vorsicht geschehen, da eine Patina möglicherweise über Jahrhunderte entstanden ist und daher als Echtheitsmerkmal gilt.


Ursachen der Oxidation

Als Oxidation bei den verschiedenen Münzen aus Metall bezeichnet man die Reaktion der metallenen Stoffe mit dem in der Umgebungsluft enthaltenen Sauerstoff. Nachfolgend eine kurze Erläuterung zur Oxidation der verschiedenen Münzmetalle.

Gold

Gold gehört zu den klassischen Edelmetallen, daher oxidieren Goldmünzen aus Feingold nicht. Die natürliche rot-braune Patina, die vor allem bei legierten Goldmünzen vorkommt, liegt an den Anteilen anderer Metalle in der Zusammensetzung. Diese Art von Patina kann nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt künstlich erzeugt werden und bürgt daher für die Echtheit der Münze.

Anders verhält es sich beispielsweise mit den eingangs erwähnten modernen, russischen Goldtalern, die nach einigen wenigen Jahren unter der Erde von ihrem Besitzer wieder ausgegraben wurden und rot-braune Flecken an der Oberfläche aufwiesen. Die reinen Goldmünzen begannen scheinbar zu rosten, was auf ein verunreinigtes Gold hindeutet.

Silber

Bei Silbermünzen betrachten wir den Oxidationsprozess aufgrund der Popularität unter den Anlagemünzen einmal genauer. Die Ursache der Oxidation bei Silbermünzen liegt darin begründet, dass Silber an der Luft eine Oxidschicht bildet, welche mit dem Schwefelwasserstoff reagiert, der sich in Spuren in der Umgebungsluft befinden. Reagiert das Silberoxid (Ag2O) mit dem Schwefelwasserstoff (H2S), entsteht das Salz Silbersulfid (Ag2S, Schwefelsilber) und Wasser (H2O). Um eine Reaktion auszulösen, genügen bereits Spuren von Schwefelwasserstoff (Geruch von faulen Eiern) in einer Dosierung, die der menschliche Geruchssinn überhaupt nicht wahrnehmen kann. Schwefelwasserstoff tritt in höherer Konzentration dort auf, wo Zersetzungs- und Fäulnisprozesse ablaufen. Ein Argument, welches deutlich gegen eine Lagerung der Silbermünzen in der Küche nahe dem Biomüllbehälter spricht. Die zu Grunde liegende chemische Reaktion lautet: Ag2O + H2S reagiert zu Ag2S + H2O.

Um Verunreinigungen auf Silbermünzen zu entfernen, kann eine Reinigung mithilfe eines im Handel erhältlichen Silbertauchbades ohne mechanische Beschädigung durchgeführt werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Aluminiumfolie und Kochsalz in einem warmen Wasserbad, wobei das Silbergut die Alufolie berühren sollte. Ohne luftdichte Konservierung werden die Silbermünzen jedoch in kürzester Zeit erneut oxidieren.

Die Punkte, die gegen eine Reinigung im Silber-Tauchbad sprechen, sind zum einen der immer wieder benötigte Zeitaufwand für eine Reinigung und zum anderen kann diese Art Patina – wie eingangs erwähnt – auch erwünscht sein.

Kupfer

Kupfer bildet an seiner Oberfläche durch Sauerstoffkontakt verschiedene Arten von Oxiden. Zuerst bildet sich ein rotes (Cu2O), danach ein schwarzes (CuO) Oxid. Die Farbverläufe können von gelblich bis ins Schwarze reichen. Bekommt Kupfer einen grünen „Belag“, spricht man landläufig gerne von Grünspan, was jedoch nicht korrekt ist. Grünspan ist die Bezeichnung für Kupferacetat, wobei es sich um ein Salzbildung und nicht um Oxidation durch Sauerstoffkontakt handelt.

Kleine Scheidemünzen bestanden zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches aus Reinkupfer, später wurden zur Kupferhärtung geringe Zinn- und Zinkanteile beigemischt. Bei modernen Umlaufmünzen wird Kupfer überwiegend in legierter Form verwendet.

Aluminium

Reines Aluminium bildet an der Luft sehr schnell eine Oxidschicht, welche dem blanken Leichtmetall eine stumpfe Oberfläche verleiht. Bei dem Aluminiumoxid handelt es sich um eine schützende Oxidschicht, die das Aluminium korrosionsbeständig macht und vor weiteren Verwitterungen schützt. Aluminiummünzen gelten damit als äußerst widerstandsfähig. Ältere Münzen aus Aluminium sind aufgrund der schützenden Oxidschicht auch heute noch in relativ gutem Zustand anzutreffen.

Eisen

Eisen bildet an feuchter Luft und in Wasser das so genannte Eisenoxidhydrat. Der geläufige Name für die wohl bekannteste Form dieser "Patina" lautet Rost. Um dies zu verhindern, wurden zeitweise verschiedene Maßnahmen des Korrosionsschutzes bei Eisenmünzen angewandt. In der Zeit um den 1. Weltkrieg wurden Eisenmünzen aus Deutschland häufig sherardisiert. Diese Art der Verzinkung wurde nach seinem Entwickler Sherard Cowper-Coles benannt und von ihm als Dampfverzinkung bezeichnet. Zu den weiteren Maßnahmen zählte die Verchromung oder etwa die Brünierung der Münzen. Bei der Brünierung wurden die rostfreudigen Eisenmünzen mithilfe von sauren oder alkalischen Lösungen (auch Ölen) künstlich oxidiert und bildeten mit dem sogenannten „Edelrost“ eine, wenn auch mit 1 μm sehr dünne, korrosionsbeständige schwarze Schicht.

Nickel

Nickel dient als Überzugsmaterial von Metallgegenständen. Es schützt vor Oxidation und wird vorrangig zur Stahlveredelung genutzt. Es läuft in aller Regel nicht an und bildet auch keine mit anderen Metallen vergleichbare Patina. Nickelmünzen sind sehr beständig und nutzen sich wenig ab. Da vernickelte Gegenstände bei einer Vielzahl von Menschen als Ursache für eine Kontaktallergie gilt, verlieren vernickelte Gegenstände und Münzen zunehmend an Bedeutung, auch wenn aktuelle Ein- und Zwei-Euro-Münzen noch 25 % Nickel enthalten.

Zink

Zink reagiert an der Luft mit Bildung einer Zinkoxid-Schicht. Diese witterungsbeständige Schutzschicht sollte bei Münzen nicht entfernt werden. Da es sich bei Zinkmünzen zumeist um ältere Münzen handelt, sollte prinzipiell gar keine Behandlung erfolgen. Bei Sammlerstücken, die aus reinem Zink bestehen und an Zinkpest (Zersetzung des Materials) leiden, kann unter Umständen eine professionelle Behandlung mit Zaponlack weiteren Zerfall verhindern. Diese Münzen sollten bei gleichmäßigen Temperaturen über 14°C gelagert werden.


Konservieren durch Vakuumierung

Eine gute Möglichkeit, die Silbermünzen vor Korrosion zu schützen, stellt das Vakuumieren dar. Mit einem handelsüblichen Vakuumiergerät können die gekapselten Silbermünzen in Folie verschweißt werden. Wir verwenden in unserem Beispiel das Modell VC10 der Firma Caso-Germany, sowie die ebenfalls im Handel erhältlichen Original-Folienbeutel.

 

 

 

Münzen sollten jedoch nicht ohne Münzkapsel vakuumiert werden, da in manchen Folien bestimmte Weichmacher enthalten sind, die dazu führen können, dass die Münzen schlussendlich doch anlaufen. In den von uns genutzten Folienbeuteln der Firma Caso-Germany sind laut Herstellerangaben lediglich Spuren von verschiedenen Phthalaten (Weichmacher) enthalten. Die Folienbeutel bestehen überwiegend aus Polyethylen (85 % PE) und zu einem geringen Teil aus Polyamid (15 % PA), wie uns auf Anfrage mitgeteilt wurde.

 

Weiterhin gilt zu beachten, dass handelsübliche Vakuumiergeräte für Endverbraucher nicht über die benötigte Leistung verfügen, um ein vollständiges Vakuum zu erzeugen. Bei den verfügbaren Geräten kann ein so genanntes mittelmäßiges Grobvakuum erzielt werden. Bei Verwendung von Kunststofffolien sollte man sich zudem im Klaren darüber sein, dass diese nicht zu 100 % gasdicht sind. Ob also durch das eingeschweißte Vakuumieren über Jahrzehnte ein Schutz vor Korrosion erreicht werden kann, bleibt ungewiss. Jedoch stehen die Chancen im Vergleich zur Lagerung in Tubes oder Kapseln vergleichsweise gut.

Im Falle von Sammlermünzen kann sich das Vakuumieren doppelt bezahlt machen, wenn die oft schwer zu beschaffenden Kapseln vor Beschädigungen bewahrt werden können. Dies trifft besonders auf größere Stückelungen zu, bei denen eine Verwahrung zudem nicht in praktischen Münzboxen erfolgt (wie bei gängigen 1-oz-Münzen), sondern häufig eine Sonderlösung erforderlich macht.

Sollten Sie auf absolut lichtgeschützte Vakuumierung Wert legen, können Sie die Münzen zusammen mit Aluminiumfolie verschweißen. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Folienbeutel entweder mit einem wasserfesten Stift zu beschriften oder einen entsprechend beschrifteten Zettel mit einzuschweißen.

Aufgrund der relativ geringen Anschaffungskosten von Vakuumiergerät und –folien kann das Vakuumieren der Münzen auch für den Münzversand sinnvoll sein. Der Aufpreis für die Verpackung wird durch die Schutzwirkung (und den positiven Eindruck, der beim Käufer hinterlassen wird) sicherlich wett gemacht.

 


Doppelte Sicherheit

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf die Münzen vor dem Vakuumieren eine Schicht mit dem im Fachhandel erhältlichen Renaissance Wachs auftragen. Dieses Microwachs ist hervorragend für die Münzkonservierung geeignet, da es PH-neutral und damit für Metalle ungefährlich ist. Zudem läßt es sich einfach und rückstandslos entfernen. Das Wachs kann sparsam aufgetragen werden und hinterlässt eine matte Oberfläche, wenn es nicht einpoliert wird. Da es das Anliegen der Münzkonservierung ist, den bestehenden Wert der Münzen zu erhalten, sollte daher von einer Politur (abrasive Methode) abgesehen werden. Das Auftupfen einer geringen Menge Wachs sollte reichen, um die feinen Poren der Münzen so zu verschließen, dass eine optimale Lagerfähigkeit in Verbindung mit einer Vakuumverschweißung möglich ist. Nach dem flächendeckenden Auftragen sollte die Münze für ungefähr eine viertel Stunde zum Ablüften beiseite gelegt werden. Hierbei härtet das Wachs aus und die Münze kann anschließend gekapselt und vakuumiert werden.

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1 Kommentare
Silbermünzen: Wachs/Zapon oder direkte Stoffe würde ich nicht auf das Münzmetall bringen wollen. Gastro-Vakuumiergeräte (um 300 Eur) sollte man bevorzugen. Wie Münzen "nach 30 Jahren" in Verpackungen aussehen, kann ich beurteilen- denn ich verwahre solche seit >30 Jahren . Auch sind viele (zB Weimarer Gedenkmünzen) immer-noch in nahezu bfr erhältlich, die müssen ja auch irgendwo gewesen/gelagert/aufbewahrt worden sein über knapp 100 Jahre. Was als "Patina" bezeichnet wird, ist m.E. oft schlicht "pekige" Auflagerung oder Korrosion. Letztere kann mit einem Erbium-YAG-LAser berührungsfrei schonend entfernt/minimiert werden, ohne daß die Münze Schaden nimmt. Auch Hartplastik-/Kleber und sonstige mechanische Auflagerungen lassen sich hiermit ohne Berührung entfernen/vaporisieren/disruptieren oder wie man das auch bezeichnen möchte, insbesondere in den winzigen Vertiefungen der Buchstaben von Um- und Randschriften. Mit frdl. Gruß