Schließfach bei der Bank oder Tresor zuhause?

Die Entscheidung ist gefallen, ein Teil des Vermögens soll in Edelmetallen angelegt werden. Preise wurden verglichen, die gewünschten Münzen oder Barren ausgewählt und bestellt. Doch wohin damit – in ein Bankschließfach, einen Tresor in der eigenen Wohnung oder in ein Geheimversteck? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Denn Sicherheit ist relativ, jeder hat sein ganz persönliches Sicherheitslevel und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es weder auf der Bank noch Zuhause. Und letztendlich kommt es auch darauf an, ob man als Kleinanleger z. B. 3000 Euro in vier 1-Unzen-Goldmünzen anlegen will oder in sechs 1-Kilo-Silberbarren.

Schauen wir uns die unterschiedlichen Aufbewahrungsmöglichkeiten an:

1. Bankschließfach

  • Wer ein Schließfach bei einer Bank mieten möchte, muss meist Kunde sein. Nur selten vermieten Banken ihre Schließfächer auch an „Fremde“. Außerdem kann man das Schließfach nicht anonym mieten, bei Vertragsabschluss sind alle persönlichen Datenanzugeben.
  • Die Mietkosten hängen von der Größe des Bankschließfaches ab: die kleinsten sind meist rund 6000 cm³ (ca. 10 x 20 x 30 cm) groß, was in etwa der Größe eines Aktenordners entspricht. So ein Fach kostet rund 30 Euro pro Jahr. Wer mehr Platz braucht (z. B. für Barren), der zahlt für die vierfache Größe rund 100 Euro. Die Preise können aber auch bis auf 500 Euro (bei rund 500.000 cm³) pro Jahr steigen. Genaue Auskunft über die Mietkosten erteilen die Banken.
  • Der Betrag für die Miete wird meist im voraus für ein Jahr berechnet (mittels Einzugsermächtigung vom Konto des Kunden). Manche Banken verlangen eineMindestmietzeit (z. B. von einem Jahr), bei anderen kann für kürzere Zeit ein Bankschließfach angemietet werden. Auch hier variieren die Konditionen bei den Banken stark.
  • Ob die Jahresmiete auch eine Versicherung beinhaltet und wenn ja, bis zu welcher Höhe der Inhalt versichert ist, hängt von der Bank ab. Informieren Sie sich deshalb bei Vertragsabschluss genau. Manche Banken bieten eine Versicherung bis zu 10.000 Euro an, bei anderen ist im Mietpreis auch eine Deckungssumme von 30.000 Euro enthalten. Sollte die Standarddeckung nicht ausreichen, kann bei der Bank eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden (sie sollte den steigenden Werten im Safe auch regelmäßig angepasst werden).
  • Das Bankschließfach selbst ist zwar nicht anonym, aber der Inhalt ist anonym. Niemand der Bankangestellten erfährt, was sich darin befindet. Wer sein Schließfach öffnen möchte, muss den Zugang zum Tresorraum zwar meist mit einem zweiten Schlüssel in Anwesenheit eines Bankmitarbeiters aufschließen, im Raum ist man dann aber allein. Viele Banken bieten inzwischen auch sogenannte Autosafe-Anlagen an, bei denen die Kunden 24 Stunden am Tag mittels einer Codekarte und/oder Geheimnummer Zugang zu ihren Wertsachen haben.
  • Auch wenn es niemanden etwas angeht, was im Banksafe aufbewahrt wird, kann es im Falle einer Straftat erlaubt sein, dass das Schließfach geöffnet wird. Dazu brauchen Polizei und Staatsanwaltschaft aber einen dringenden Tatverdacht (z. B. bei Steuerhinterziehung), erst dann geben die Banken Auskunft, ob ein Mietvertrag für ein Schließfach besteht und wie hoch die Versicherungssumme ist (woraus sich dann der Wert des Inhalts erschließen lässt).
  • Stirbt der Inhaber des Bankschließfachs ergeht automatisch eine Meldung von der Bank ans Finanzamt. Die Erben haben also Zugriff auf das Schließfach, die Inhalte können jedoch der Erbschaftsteuer unterliegen.
  • Im Falle einer Pleite der Bank ist der Inhalt der Schließfächer abgesichert. Es kann jedoch einige Zeit dauern, bis der Insolvenzverwalter alles geregelt hat und die Wertgegenstände an die Eigentümer zurückgegeben werden.

2. Tresor

  • Bei Tresoren, die man in der eigenen Wohnung aufstellen kann, gibt esunterschiedliche Größen und Sicherheitsstufen. Wer schon frühzeitig an einen Tresor denkt, der lässt ihn in ein neu gebautes Haus als Wandtresor einmauern. Sogenannte Möbeleinsatztresore können in einen Schrank eingebaut werden, sind aber nicht sehr schwer und somit für einen Einbrecher relativ leicht mitzunehmen (ab ca. 100 Euro). Ein schwerer Wertschutzschrank (ab 200 kg) bietet allein durch sein Gewicht einen guten Schutz. Entscheidet man sich für eine leichtere Version, muss der Tresor in der Wand oder im Boden extra verankert werden (Achtung: Stabilität der Wände oder des Fußbodens überprüfen!). Die Preise variieren je nach Sicherheitsstufe (Feuerschutz, Einbruchschutz) und Größe.
  • In der Hausratversicherung sind Wertgegenstände, sofern sie gut verschlossen aufbewahrt wurden, normalerweise bis zu einem gewissen Betrag eingeschlossen (20 % der Versicherungssumme). Wer eine neue Versicherung abschließt sollte sich gut informieren, wie hoch die Versicherungssumme im Vergleich zu den eigenen Wertgegenständen sein muss. Die unterschiedlichen Versicherungsunternehmen haben auch genaue Vorgaben, welche Tresore mit welchen Sicherheitsstufen zu welchen Beträgen versichert werden. Besteht bereits eine Hausratversicherung und werden nun Edelmetalle gekauft und zuhause aufbewahrt, kann die Versicherungspolice den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Auf jeden Fall sollte man die Versicherung über die neuen Werte informieren, sonst werden im Falle eines Schadens keine Kosten übernommen.

3. Geheimversteck

  • Pseudo-Wertsachen in den Tresor (für den Einbrecher) und „echte“ Wertsachen in ein Geheimversteck. Diesen Tipp liest man im Internet des öfteren. Auch hier kommt es natürlich wieder darauf an, was „versteckt“ werden soll. Geht es um die oben erwähnten vier 1-Unze-Goldmünzen, dann findet sich bestimmt ein hohler, doppelter Boden im von der Oma geerbten Schrank Marke „Eiche rustikal“. Jetzt kommt es natürlich auf den Einbrecher an, wie viel Zeit er sich bei der Suche nach wertvollen Sachen lässt oder wie gut er solche anscheinend geheimen Verstecke kennt.
  • „Im Gartenteich versenken“ ist ein weiterer, weitverbreiteter Tipp. Auch hier sollte man sich die Frage stellen, wer einen beim Verstecken beobachtet und – nicht mal aus Böswilligkeit – eines Tages auf irgendeiner Party erzählt, dass der Nachbar etwas im Wasser verschwinden ließ.
  • Über das Geheimversteck muss natürlich jemand aus der Verwandtschaft Bescheid wissen – egal ob man selbst einmal im Notfall den „Schatz“ heben muss (und persönlich dazu nicht in der Lage ist) oder im Falle des Todes sich die Erben darüber freuen sollen. Denn es wäre doch schade, wenn der Schrank samt Münzen zum Antiquitätenhändler wandert…
  • Egal für welches Versteck man sich entscheidet, eins ist klar: Werden die Wertsachen trotzdem gestohlen oder bei einem Feuer o. ä. zerstört, zahlt keine Versicherung.

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Kommentare

J. Gelfort hat Recht. Hinzu kommt die Fallgestaltung: Schuldenschnitt ß la Zypern / Währungsreform mit Bankschlieߟung, anschlieߟende Entnahme aus dem Banksafe nur unter behördlicher Aufsicht.
Sie sollten bei Ihrem Ratschlag berücksichtigen, dass in Deutschland ein Gesetzesentwurf kursiert, der es den Behörden erlauben wird, die Inhalte von Schliessfächern zu registrieren und Entnahmen meldepflichtig zu machen. Eine Vorbereitung für konfiskatorische Massnahmen (Goldzwangsumtausch, Zwangsentnahme bei `Reichen`, Solidaritätsbeitrag für notleidende Rentenkassen, etc)? Der kreativen Boshaftigkeit von Politikern, die mit dem Rücken an der Wand stehen, sind keine Grenzen gesetzt.